Manuskript-Blues

Da ist die Idee. Die Möglichkeiten. Die Recherche. Das Wiedersehen mit den Protagonisten, allen voran Lothar Kaltenbach, der Weinhändler aus Emmendingen. Luise Bührer, die inzwischen mehr ist als die Freundin. Frau Kölblin, die gute Seele.
Für viele Monate sind wir eins. Wir erleben Höhen und Tiefen gemeinsam, Glück und Zweifel. Als es auf das Ziel hingeht, gibt es kein Halten mehr. Vorfreude. Gewissheit.

Erschöpfung.

Als es geschehen ist, gibt es noch ein wenig Streicheln und Abtrocknen. Ein Kleid muss her und ein Name. Das ist alles. Mehr kann ich dir nicht mitgeben.

Der Moment, an dem ich mit dem endgültigen ‚okay‘ das Manuskript auf die Reise schicke – in ihm drängt sich alles zusammen: Erleichterung, Skepsis, Stolz. Danach ist alles anders. Vom Zeitpunkt der Veröffentlichung an habe ich alle Rechte und Pflichten an dir verloren. Ich habe keinen Einfluss mehr auf dein Wohlergehen. Ich kann dich nicht mehr beschützen, nicht mehr loben, nicht mehr mahnen. Ein bisschen beobachten aus der Ferne, wie du da liegst, wartest auf den, der kommt, der dich für sich beansprucht. Der dich zu neuem Leben erweckt.

Ich bleibe zurück.

Country Blues, Winterblues, Babyblues. Überall steckt Wehmut drin. Ein bisschen Trauer, Einsamkeit, Melancholie.

Gibt es den Manuskript-Blues? Jawohl! Nie wieder werde ich ein Buch schreiben.
Erst wieder beim nächsten Mal.

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